Das Reh
Der Spur folgen

Das Reh

Liebe Entdeckerin, Lieber Entdecker,

hallo und Tschüss! Nein ok, ich will jetzt mal nicht unhöflich sein aber das Fluchtverhalten liegt in meiner Natur. Normalerweise unterhalte ich mich nur aus großer Entfernung mit deinesgleichen aber du siehst nett aus, da mach ich eine Ausnahme! Ich bin’s übrigens, das Reh. Wenn du mir in der Natur noch nie begegnet bist, hast du bestimmt meinen Einstieg in die Filmbranche mitbekommen – seit 1942 kann mich in meiner Rolle als „Bambi“ auf der großen Leinwand sehen. Ich gehöre zur Familie der Hirsche und bin in ganz Europa anzutreffen – manchmal im Wald und manchmal auch auf Äckern.

Wenn du mehr von mir erfahren willst, dann findest du viele spannende Informationen auf den nächsten Seiten.

 

Bildnachweis: Jojo assumed (based on copyright claims), CC BY-SA 3.0, via Wikimedia Commons

Header-Bildnachweis: Jerzy Strzelecki, CC BY 3.0, via Wikimedia Commons

Bildnachweis: Syrio, CC BY-SA 4.0, via Wikimedia Commons

Das, je nach Jahreszeit, graubraun bis rotbraun gefärbte Reh ist der kleinste und häufigste Vertreter der europäischen Hirsche (Cervidae). Die Kopf-Rumpf-Länge bei ausgewachsen Tieren beträgt 105 bis 135 cm, die Schulterhöhe bewegt sich zwischen 66 und 85 cm. Anders als beim nahverwandten Rothirsch gibt es keine nennenswerten Größenunterschiede zwischen den Männchen und den Weibchen. Die Böcke tragen aber im Unterschied zu den Weibchen (auch als Ricken bezeichnet) zwischen April und November ein Geweih auf dem Kopf. Nach dem Abwurf des Geweihs im Spätherbst beginnt das neue gleich zu „schieben“, also zu wachsen. Die Wachstumsphase des Geweihs ist nach etwa 5 Monaten, meist im April, abgeschlossen. Die Geweihe von Cerviden gehören zu den schnellst wachsenden Organen im Tierreich.

Das Gewicht des Rehs variiert stark je nach Verbreitung – mit steigendem Breitengrad nimmt es ab (Südspanien: Ø 17 kg – Norwegen: 27 kg). Dieses Phänomen hat der Physiologe Carl Bergmann im Jahr 1847 mit der sogenannten „Bergmannschen Regel“ beschrieben. Die Regel besagt, dass Individuen einer gleichwarmen Art mit zunehmender Nähe zu den Polen in ihrer Körpergröße bzw. Körpermasse zunehmen. Nimmt die Größe eines Tieres zu, ändert sich das Verhältnis von Oberfläche zu Volumen, wobei die Oberfläche langsamer wächst als das Volumen. Über die Oberfläche verliert ein Tier Wärme während über das Volumen Wärme generiert wird. Je größer also ein Körper eines gleichwarmen Tieres, desto geringer ist der Wärmeverlust und desto besser kann das Tier in diesem Lebensraum überleben.

Rehe sind Vegetarier und fressen diverse Pflanzen aus der Kraut- und Strauchschicht sowie Jungbäume und deren Triebe. Rehe erkennen ihre Nahrung an Geruch und Geschmack und nehmen nur langsam neue Nahrungspflanzen an. Zu den regelmäßig gefressenen Pflanzen zählen beispielsweise Beerensträucher (Brombeere, Heidelbeere), Gewöhnlicher Liguster, Gemeine Hasel und die Hainbuche. Auch Triebe der Buche und der Eiche sowie Nutzpflanzen wie Raps, Soja und Sonnenblumen gehören zur Leibspeise dieser Hirschart. Durch die Ausrottung des Wolfes im 19. Jhdt. in Österreich konnte sich das Reh stark vermehren. Zu große Rehdichten können durch Verbiss in Wäldern und auf landwirtschaftlichen Flächen zu großen Schäden führen – hier muss der Rehbestand durch gezielte Bejagung dann wieder reduziert werden.

 

Ökologische Anekdote aus dem Yellowstone Nationalpark, Wyoming, USA zum Thema Wolf & Wild:

Anfang des 20. Jhdt. wurden sämtliche Wölfe im weltbekannten Nationalpark Yellowstone in Nord- Amerika durch den Menschen ausgerottet, was verheerende Folgen für das dortige Ökosystem hatte. Mit dem Verschwinden des Wolfes konnten sich plötzlich Elche und Wapiti-Rothirsche explosionsartig vermehren und Bäume wie Weiden und Espen wurden mit enormer Geschwindigkeit abgefressen. In weiterer Folge wanderten die Biber aufgrund von Nahrungsmangel aus den Gebieten ab und wertvolle Feuchtgebiete verschwanden, was einen weiteren negativen Effekt auf das Weidenwachstum bewirkte. Mit der Wiederansiedlung von nur 14 Wölfen im Jahr 1995 startete ein erfolgreiches Umweltprojekt. Mittlerweile streifen wieder mehrere Wolfrudel mit insgesamt über 100 Individuen durch den Nationalpark und das Ökosystem konnte sich deutlich erholen. Die Wildbestände werden durch die Wölfe aktuell auf einem stabilen Niveau gehalten und eine Überpopulation wird so unterbunden.

Bildnachweis: Gunnar Creutz (Achird), CC BY-SA 3.0, via Wikimedia Commons

Revierverhalten und Fortpflanzung:

Vor der sommerlichen Paarungsphase zeigen die Böcke im Frühjahr ein verstärktes Territorialverhalten um die Reviere abzustecken. Bei den sogenannten Einstands- bzw. Kommentkämpfen stehen sich die beiden Böcke gegenüber und führen ritualisierte Verhaltenssequenzen durch bis es zum sogenannten Stoßkampf kommt, bei dem die beiden Konkurrenten den jeweils anderen zu unterdrücken versuchen. Der Schwächere zieht sich meist, nach kurzer Einnahme einer Demutsstellung unverletzt zurück und flüchtet. Der Revierinhaber paart sich mit mehreren Ricken in der Zeit zwischen Juni und August.


Trag- und Setzzeit:

Die tatsächliche Brunft, also Paarungszeit, beginnt im Juli und dauert meist bis Mitte August. Ab September tritt beim Reh die sogenannte Keimruhe ein, bei der die befruchtete Eizelle das Wachstum bzw. die Entwicklung einstellt. Erst Im Jänner endet die Keimruhe und das embryonale Wachstum startet. Die Keimruhe bewirkt eine Verlängerung der Tragzeit und verlagert so die Setzzeit in eine günstigere Jahreszeit mit höherem Nahrungsangebot. Im Mai und Juni gebärt die Ricke meist 2 Jungtiere (Kitz), die ein Gewicht von etwa 1,6 kg haben. Lediglich 2 Monate später beginnt dann schon die nächste Paarungszeit.

Das Reh ist fast flächendeckend in ganz Europa verbreitet, von der Tiefebene bis in die alpinen Höhenlagen (bis 3000 Meter). Jedoch ist es über der Baumgrenze nur selten anzutreffen. In Spanien und Portugal ist die Verbreitung eher lückenhaft und aufgrund klimatischer Gegebenheiten oft auf höhere, kühlere Lagen beschränkt. Während das Reh in Großbritannien und Schottland sehr wohl vorkommt, ist Irland nicht vom Reh besiedelt worden.

 

Verbreitungskarte:

Als ursprünglicher Waldbewohner besiedelt das Reh gerne Wälder, Waldränder, Lichtungen aber auch waldärmere, unterwuchsreiche Gebiete mit ausreichend Deckungsmöglichkeiten. Mittlerweile trifft man diese Tierart auch sehr häufig und in hohen Dichten in großen, offenen Agrargebieten an. Kulturpflanzen wie Mais, Raps, Sonnenblumen und Wein bieten neben Schutz auch ein gutes Nahrungsangebot. Die Rehe finden hier auch Versteckmöglichkeiten in den Windschutzstreifen, die ihnen außerdem gleich als Leitpfade dienen.

Rehe sind nicht gefährdet aber in ländlichen Regionen mit einem hohen Verkehrsaufkommen kommt es regelmäßig zu Wildunfällen, die meist tödlich für die Tiere ausgehen. Gerade im Frühling und Herbst, gibt es einen erhöhten Wildwechsel in der Morgen- und Abenddämmerung. Um Zusammenstöße zu vermeiden helfen nur gut angelegte Leitzäune, die zu Wildbrücken führen.

„Das Reh ist die Frau vom Hirsch.“ Diesen Satz bekommt so manches Kind zu hören, wenn es gemeinsam mit den Eltern oder Großeltern ein Buch über die Tiere im Wald studiert. Aber das stimmt ganz und gar nicht! Auch wenn beide Arten der Familie der Hirsche (Cervidae) angehören, sind Reh (Capreolus capreolus) und Rothirsch (Cervus elaphus) zwei unterschiedliche Arten, die sich nicht kreuzen können und auch von der Größe deutlich verschieden sind. Die Frau vom Hirsch wird übrigens als Hirschkuh bezeichnet oder in der Jägerschaft auch als Kahlwild.

Rehe sind ganzjährig anzutreffen und gerade im Agrarland oft gut zu beobachten. Während diese scheuen Tiere normalerweise schnell das Weite suchen, kann die Fluchtdistanz in urbaneren Bereichen, wie beispielweise am Wiener Zentralfriedhof, durchaus viel geringer sein.

Hier, im flachen und weitgehend baumfreien Seewinkel, ist das Reh beheimatet und häufig anzutreffen. Auch oder gerade in der kalten Jahreszeit kommt es sehr regelmäßig zu guten Beobachtungen, wenn ein größeres Rudel auf einem Acker die frisch ausgebrachte Wintersaat abäst. Die Große Entdeckertour bietet z.B. eine sehr gute Möglichkeit, Rehe in der Region zu beobachten.

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