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ich bin es, der Gewöhnliche Natternkopf. Bestimmt hast du mich schon gesehen. Ich bin nicht gerade unauffällig. Ich wachse meist an Stellen, wo durchaus viel los sein kann, und damit meine ich die Bankette der Straßen, die Ränder der Wege und auch die Feldraine. Ich bin eine klassische Pflanze von Standorten, die mehr oder weniger starke Störungen erfahren.
Im Vergleich zu anderen Arten bin ich kurzlebig. Ich keime über die Sommermonate, überdauere den Winter als Blattrosette, blühe im nächsten Sommer und sterbe nach der Blüte und Samenreife wieder ab. Trotz meiner Kurzlebigkeit bin ich eine sehr wichtige Pflanze für viele Insekten.
Bis bald!
Dein Gewöhnlicher Natternkopf
Headerbild: Joselodos, via Wikimedia Commons
Artikelbild: Enrico Blasutto, via Wikimedia Commons
Bildnachweis: Enrico Blasutto ,via Wikimedia Commons
Bildnachweis: Geograph Britain and Ireland, via Wikimedia Commons
Der Gewöhnliche Natternkopf erreicht meist Wuchshöhen von 20 bis 100 cm. Selten können einige Exemplare auch höher werden. Seine Pfahlwurzel reicht bis zu 80 cm in die Erde hinein. Die Pflanze ist zweijährig, im ersten Jahr entsteht eine Blattrosette, im zweiten Jahr wachsen daraus die zylindrisch bis kegelförmigen Blühtriebe. Die stielrunden Stängel stehen steif aufrecht. Alle oberirdischen Pflanzenteile sind sowohl von stechenden Borstenhaaren besetzt, die aus rötlichen Knötchen wachsen, als auch von kurzen weichen Haaren. Der Name der Pflanzenfamilie (Raublattgewächse) leitet sich von dieser Behaarung ab. Die Laubblätter sind linealisch-lanzettlich. Der Blattrand ist wellig gekraust. Die Blätter verschmälern sich zum Blattansatz hin und gehen in einen Blattstiel über. Nach oben hin werden die Stängelblätter kleiner und stängelumfassend.
Die Blüte ist fünfzählig und besitzt im Gegensatz zu den Blüten der meisten anderer Raublattgewächse nur eine Symmetrieebene. Die grünen Kelchblätter sind an der Basis verwachsen und bilden 5 Kelchzipfel. Die Kronblätter sind meist zuerst rosafarben bis violett und färben sich später blau. In seltenen Fällen gibt es auch weiße Formen. Die Kronblätter formen eine schief trichterförmige und leicht gekrümmte Kronröhre die leicht zweilippig endet. Die fünf Staubblätter ragen weit aus der Blütenkrone heraus. Der Fruchtknoten ist tief vierlappig. Aus der Blüte ragt ein langer Griffel, der in einer zweigabeligen Narbe endet. Dieser lange am Ende gespaltene Griffel ist auch namensgebend für den Natternkopf, da dieser an die Zunge einer Schlange (Natter) erinnert.
Aus dem zweiteiligen Fruchtknoten entwickeln sich vier Nüsschen, die sogenannten Klausen. Diese entstehen dadurch, dass der Fruchtknoten sich entlang falscher Scheidewände teilt. Eine Frucht entspricht somit einem halben Fruchtblatt. Klausenfrüchte sind sowohl für die Familie der Lippenblütler als auch für die Familie der Raublattgewächse charakteristisch.
Bildnachweis: Tournasol7, via Wikimedia Commons
Der Gewöhnliche Natternkopf ist in ganz Europa und in West- bis Zentralasien verbreitet. In Zentralasien umfasst das Vorkommen die Länder Kasachstan, Kirgisistan, Russland, Tadschikistan, Turkmenistan, Usbekistan und den nördlichen Teil des chinesischen Gebiets Xinjiang. In Südafrika, Australien, Neuseeland und in der Neuen Welt wurde der Natternkopf durch den Menschen eingeführt und verbreitet. In den US-Bundesstaaten Montana, Washington und Wyoming gilt er sogar als invasive Pflanzenart.
Bildnachweis: Geograph Britain and Ireland, via Wikimedia Commons
Beim Gewöhnlichen Natternkopf handelt es sich um eine monokarpe, also nur einmal blühende, Pflanze. Er ist bienn, das heißt er hat über den Zeitraum von 2 Jahren. Im ersten Jahr keimt die Pflanze und bildet bis zum Herbst eine Blattrosette mit Pfahlwurzel aus. Die Pfahlwurzel dient als Speicherorgan mit Hilfe der Natternkopf überwintert. Erst im zweiten Jahr treiben daraus im Frühling die Blühtriebe. Die Hauptblütezeit liegt in den Monaten Mai bis Juli. Selten sind auch spätere Blüten möglich. Nach der Blüte bzw. Samenreife stirbt die gesamte Pflanze ab. Der Natternkopf ist eine typische Trockenpflanze und kommt an Straßen-, und Wegrändern, steinigen Böschungen, steinigen Fluren und sandigen Standorten vor.
Bildnachweis: Ivar Leidus, via Wikimedia Commons
Der Gewöhnliche Natternkopf gilt als sehr hochwertiger Nektarlieferant für viele Insekten, vor allem für Bienen, wie die Glänzende Natterkopf-Mauerbiene (Osmia adunca) und Schmetterlinge, wie der Distelfalter (Vanessa cardui). Besonders wichtige Nahrungsquelle ist er vor allem in den Sommermonaten, wo das reichhaltige Nektarangebot des Frühlings nicht mehr verfügbar ist. Als Raupennahrung spielt der Gewöhnliche Natternkopf keine nennenswerte Rolle, obwohl manchmal die Raupen des Distelfalters (Vanessa cardui) an ihm zu finden sind.
Der Natternkopf lockt die Insekten mit einem reichhaltigem Nektarangebot. Wie bei allen in erster Linie durch Bienen, Hummeln bestäubten tagsüber blühenden Pflanzen ist der optische Reiz für die Insekten das reflektierende UV-Licht. Insekten sehen Farben nämlich anders als wir Menschen und können Licht nur in UV-Bereich wahrnehmen. Sichtbares Licht wird nicht wahrgenommen, somit wirken die Farben der Kronblätter im UV-Bereich anders als im sichtbaren Licht. Beim Natternkopf findet während der Blüte sogar ein Farbwechsel der Kronblätter statt. So lange die Blüten noch nicht bestäubt sind, sind sie für uns rot gefärbt. Ist die Bestäubung erfolgt, stellt die Blüte die Produktion von Nektar ein und wechselt ihre Farbe auf blau. Der Farbwechsel der Blüten zeigt somit den Blütenbesuchern an, ob noch Nektar zu holen ist oder nicht und steigert somit auch den Bestäubungserfolg, denn die Insekten fliegen nur die roten Blüten an. So sparen sie Energie, da sie bereits bestäubte Blüten nicht mehr auf Verdacht anfliegen müssen.
Bildnachweis: Krzysztof Ziarnek, Kenraiz, via Wikimedia Commons
Der gewöhnliche Natternkopf kommt im Seewinkel sehr häufig vor. Auf nahezu jeder Straßenböschung, jedem Wegrand und jedem Feldrain, sofern der Standort trocken und durchlässig ist, sind seine auffälligen „Blütenkerzen“ zu entdecken. Auch am Gelände der St. Martins Therme & Lodge ist er sehr häufig anzutreffen. Somit stehen die Chancen gut, ihn bei einer Safari von Mai bis Juli bewundern zu können. Ein Tipp von uns, bleiben Sie einfach mal bei einem blühenden Natternkopf stehen und beobachten Sie, welche Besucher an den Blüten vorbeikommen. Wahrscheinlich werden Sie die unterschiedlichsten Wildbienen, Hummeln und vielleicht auch Schmetterlinge sehen können.
Der St. Martins Therme & Lodge ist es ein großes Anliegen, das gesamte Gelände so naturnah wie möglich zu managen. Aus diesem Grund gibt es auch viele Flächen, die nicht mehr bewässert und nur mehr ein- bis zweimal im Jahr gemäht oder auch beweidet werden. Eine solche Fläche liegt direkt beim Haupteingang zur Tagestherme und hat den Namen „St. Martins Insektengarten“ bekommen. Dort darf nicht nur der Gewöhnliche Natternkopf blühen, sondern auch viele andere Wildpflanzen blühen und gedeihen. Zudem wurden dort auch Insektenhotels angebracht, um solitären (also einzeln lebenden) Wildbienen Brutplätze zu bieten.
Da das gesamte Gelände naturnah und ohne Pestizide bewirtschaftet wird, hat die St. Martins Therme & Lodge auch die „Natur im Garten“ Plakette verliehen bekommen.
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