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ich bin es, der Schlammpeitzger. Im Jahr 2026 darf ich mich Fisch des Jahres nennen. Vielleicht hast du mich noch nie gesehen, denn meistens lebe ich gut versteckt im weichen Schlamm stiller Gewässer.
In manchen Regionen nennt man mich auch „Furzgrundel“ oder „Gewitterfurzer“. Das klingt vielleicht ungewöhnlich, hat aber einen spannenden Grund. Warum ich diese Namen trage und was mich und meine Artgenossen so besonders macht, erfährst du hier.
Bis bald!
Dein Schlammpeitzger
Headerbild: Clemens Ratschan
Artikelbild: Tiit Hunt, via Wikimedia Commons
Schlammpeitzger sind Süßwasserfische die zu den Karpfenartigen und innerhalb dieser Ordnung zu den Schmerlen gehören.
Bildnachweis: George Chernilevsky, via Wikimedia Commons
Der Schlammpeitzger hat einen aalförmig langgestreckten Körper, der vorne fast kreisrund und nach hinten seitlich abgeflacht ist. Der Körper ist gelblich-braun gefärbt, wobei der dunklere Rücken zum Bauch hin heller wird. Seitlich befinden sich auffällige braune Längsbänder mit vielen kleinen dunklen Punkten.
Die Haut ist von einer dicken Schleimschicht umgeben, die winzigen Schuppen sind kaum zu sehen. Die Schwanzflosse ist abgerundet. Rücken-, Bauch- und Analflossen weit nach hinten verlegt.
Das kleine Maul ist unterständig und ist am Oberkiefer von 6 längeren und am Unterkiefer von 4 kürzeren Barteln umgeben.
Schlammpeitzger zeigen einen sehr deutlichen Geschlechtsdimorphismus. Männchen sind in der Regel kleiner, ihre Brustflossen sind länger und spitz zulaufend. Weiters ist auch der zweite Flossenstrahl verdickt. Vor allem während der Laichzeit kann man Männchen leicht an der deutlich, rötlich gefärbten lateralen Wulst zwischen Rücken- und Analflosse (Laichausschlag) unterscheiden.
Das Verbreitungsgebiet des Schlammpeitzgers lieg in Mittel- und Osteuropa und Westasien, etwa von der Loire in Frankreich, entlang des Alpennordkammes bis in das Stromgebiert der Wolga. In Skandinavien, den Zuflüssen zum nördlichen Eismeer und im Mittelmeergebiet fehlt der Fisch.
In Österreich liegt der Verbreitungsschwerpunkt im Osten des Landes, mit bedeutenden Vorkommen im Einzugsgebiert von March und Thaya (March-Auen, Alte Thaya), den Donauauen und dem Neusiedler See Gebiet.
Bildnachweis: Clemens Ratschan
Ursprüngliche Lebensräume des Schlammpeitzgers sind naturbelassene stehende bis langsam fließende Gewässer (z.B.: Tümpel, Wassergräben und abgeschnittene Mäander, Altarme, Teiche oder Moorgewässer, Auen) mit weichem Schlammgrund, in den sich der nachtaktive Fisch tagsüber eingräbt.
Für diese oft sauerstoffarmen Wohngewässer haben Schlammpeitzger eine besondere Anpassung. Mit ihrer stark durchbluteten Darmschleimhaut können sie Sauerstoff aus geschluckter Luft aufnehmen. Nach der Darmpassage entweicht die Luft über den Anus und gibt dabei ein pfeifendes Geräusch von sich, was der Art den Nahmen „Furzgrundel“ eingebracht hat. Da sich Schlammpeitzger vor allem bei Änderung des Luftdrucks, also auch vor einem Gewitter, besonders häufig an der Wasseroberfläche zeigen um Luft zu schlucken werden sie in manchen Regionen auch als „Wetterfisch“ oder „Gewitterfurzer“ bezeichnet.Diese besondere Anpassung befähigt sie auch bei drohender Austrocknung, kurze Landwanderungen zu unternehmen.
Bei temporärer Austrocknung oder im Winter graben sich Schlammpeitzger bis zu einem halben Meter tief im Schlamm ein und senken ihren Stoffwechsel auf ein Minimum ab. In diesem Zustand können sie ungünstige Zeiten bis zu einem Jahr überdauern.
Schlammpeitzger suchen ihre Nahrung in erster Linie auf dem Gewässerboden. Sie fressen Wirbellose, wie Schnecken, Insektenlaven, Krebse und Muscheln. Sie verschmähen aber auch Algen und Detritus nicht und fressen sogar kleine Fische oder deren Eier.
Im Alter von 2-3 Jahren werden Schlammpeitzger geschlechtsreif. Wenn im April die Wassertemperaturen über 16°C steigen, beginnt die Laichzeit. Diese zieht sich bis in den Juli. Optimale Wassertemperaturen für die Larven liegen bei 19°C-23°C. Während des Laichvorganges werden die Weibchen (Rogner) eng von den Männchen (Milchner) umschlungen. In mehreren Laichgängen setzten die Weibchen 4500-13000 klebrige ca 1,5mm große Eier ab, welche meist auf Wasserpflanzen geklebt werden oder zum Teil auch frei auf dem Gewässergrund liegen können.
Die Larven tragen, ähnlich wie die Larven von Schwanzlurchen (Salamander und Molche), auch äußere Kiemenfäden, die bei der Metamorphose durch einen Kiemendeckel verdeckt werden. Dadurch können sie den oft geringen Sauerstoffgehalt der von ihnen bevorzugten Gewässer besser nutzen.
Bildnachweis: Lorenz Seebauer, via Wikimedia Commons
Früher kam der Schlammpeitzger außer in den Bundesländern Vorarlberg, Tirol und Kärnten in allen Bundesländern vor. Heute gilt er laut der „Roten Liste der Fische Österreichs“ als „vom Aussterben bedroht“. Im Österreichischen Bericht zum Erhaltungszustand der FFH-Arten (Fauna-Flora-Habitat-Arten) und Lebensraumtypen aus dem Jahr 2020 ist der Erhaltungszustand der Schlammpeitzger mit ungünstig-schlecht gelistet. In erster Linie sind dafür Lebensraumverluste durch Flussverbauungen, Entkoppelung der Auen von Hauptgewässern (z.B.: durch Eintiefung der Sohle, Klimawandel) und intensive Landwirtschaft verantwortlich.
Der Schutz der Auen durch konkrete Rückbaumaßnahmen und eine Wiederherstellung von dynamischen Flusslandschaften, Dotation von Augewässern und eine Stabilisierung der Flusssohle sind Notwendig um die Bestände des Schlammpeitzger auch für die Zukunft zu erhalten.
Bildnachweis: Bernt René Voss Grimm, via Wikimedia Commons
Da Schlammpeitzger am Boden stark verkrauteter Gewässer leben und sich tagsüber meist im Schlamm eingraben sind sie extrem selten zu Gesicht zu bekommen.
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